Kennzeichen der Kirche – eine Pfingstmeditation

Kennzeichen der Kirche.

Pfingsten, Meditation über Apg. 2, 42-47

von Dr. theol. Reinhard Gaede, Ehrenvorsitzender des BRSD, em. Pfarrer zu Herford

 

Kalte Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit, das war die Atmosphäre, die der junge Pfarrer Herbert Wright in Yonderton (GB) antraf, als er sein Amt antrat. Am ersten Sonntag war die Kirche völlig leer, am zweiten Sonntag ebenso. Und wenn er seine Gemeindeglieder besuchte, um die kalte Gleichgültigkeit zu überwinden, ging es ihm nicht besser. „Die Kirche gibt es hier nicht mehr“, sagte man ihm. „Sie ist tot.“ Aber am Donnerstag nach jenem zweiten trostlosen Sonntag geschah’s. In der Zeitung stand eine Todesanzeige. Sie lautete: Mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns und mit Zustimmung seiner Gemeinde meldet Herbert Wright, Pfarrer zu Yonderton den Tod der Kirche St. Francis zu Yonderton. Trauer und Gedächtnisfeier fänden am Sonntag um 11 Uhr statt. Die Bewohner seien zu jenem letzten Akt herzlich eingeladen. Schon  eine halbe Stunde vorher war die bis daher verachtete und verschmutzte Dorfkirche gedrängt voll. Vor dem Altar stand ein Eichensarg, nur mit einem Kruzifix geschmückt.

Nach einem stillen Gebet forderte der Pastor von der Kanzel aus seine Zuhörer auf, sich noch einmal den Toten anzusehen, dann die Kirche durch das Ostportal zu verlassen. Er werde dann die Trauerfeier allein beschließen. Sollten aber doch einige der Meinung sein, eine Wiederbelebung der Toten sei möglich, möchten sie doch durch das Nordportal hereinkommen. Dann werde aus der Trauerfeier ein Dankgottesdienst. Die Besucher traten mit Schauder und Gruseln an den Sarg heran. Dazu erschreckte sie ein Knarren und Quietschen. Das Nordportal drehte sich in seinen verrosteten Angeln. Herein trat eine kaum zu zählende Schar. Wen habt ihr im Sarg gesehen? fragten später ihre Kinder. Nun, nicht eine kalte, leblose Kirche, nein sondern man sah ihr toten Glieder. Man sah – im Spiegel – sich selbst. (Fundamente. Christsein heute, Hg. Manfred Sorg, Hans Eichhorn, Neukirchen-Vlluyn 1983, S. 18)

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Die Kirche ist also keine Institution, der gegenüber  man gleichgültig sein kann, die man verachten und verlassen kann. Die Kirche sind wir selbst. Ist sie kalt und bewegungslos, sind wir selbst so. Ist sie lebendig, sind wir selbst lebendig. Und die Welt braucht eine lebendige Kirche, braucht ihre lebendigen Glieder, braucht uns.

Unsere Gemeinden sind kleiner geworden. Nicht nur weil die Bevölkerung abnahm, sondern auch durch kalte Gleichgültigkeit vieler Mitglieder. Aber diese kleineren Gemeinden werden mehr denn je gebraucht. Woran erkennt man eigentlich, dass die Kirche noch da ist, lebendig ist? Viele halten sich ja abseits. Und in vielerorts sind Christen in der Minderheit. Der Evangelist Lukas hat in seiner Apostelgeschichte Kennzeichen der Kirche hervorgehoben:

 

Die erste Gemeinde

42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Man darf diesen Bericht nicht mit einem Protokoll verwechseln. Probleme und Konflikte gab es auch in der Urgemeinde. Die Apostelgeschichte selbst erzählt davon. Aber wie auch unsere Geschichten vom Anfang einer guten Gemeinschaft stilisiert sind – das besonders Schöne und Wertvolle wird hervorgehoben, z. B. in unseren Geschichten vom Anfang einer Ehe, von erster Begegnung der Verliebten – so erzählt auch Lukas vom Anfang der Kirche so, dass ein Leitbild entsteht. So sollte Kirche sein. Das sind die Kennzeichen von Kirche.

Zusammengefasst sind es drei Kennzeichen. Alle drei müssen immer zugleich da sein, damit Kirche an einem Ort sichtbar ist. Das erste Kennzeichen ist die Verkündigung. In Lehre, in Predigt wird die Botschaft von der Liebe Gottes verkündigt. Das zweite Kennzeichen ist die Diakonie. Was wir haben an Geld und Gut, teilen wir miteinander. Das dritte Kennzeichen ist die Gemeinschaft. In Gottes Gegenwart wird gemeinsam das Brot gebrochen und wird gebetet.

Noch einmal: Alle drei Kennzeichen Verkündigung, Diakonie und Gemeinschaft gehören zusammen wie in einem Dreieck. Fehlt eins der drei Punkte, bricht alles zusammen wie damals in Yonderton.

Sehen wir uns nun die drei Kennzeichen im Einzelnen an:

Erstens: Über die Verkündigung sagt Lukas: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel.“ Sie blieben beständig. Das griechische Wort προσκαρτεροῦντες, ‚proskarterountes’ bedeutet Beharrlichkeit, Ausdauer zeigen. Wir Menschen brauchen die Botschaft von der Liebe Gottes nicht nur bei manchen festlichen Ereignissen unseres Lebens – das weiß die Mehrheit unserer Gemeindeglieder. Wir brauchen sie jeden Tag. Deshalb heißt es: „Sie waren täglich einmütig bei einander.“

Mit Gottes Wort ist es wie mit einem Brunnen. Wird er immer wieder und reichlich gebraucht, fließt das Wasser. Wird er aber immer weniger in Anspruch genommen, kommt Sand in die Wasseradern. Die Adern unseres Glaubens brauchen die ständige Verbindung zum Brunnen des Wortes Gottes, damit nicht der Sand der Sorgen und Mühen des Alltags sie verstopft. Jede(r) Einzelne ist Hörer(in) in der Lerngemeinschaft des Wortes Gottes. Wir haben ja zu Hause unsere Bibel. Wir achten darauf, dass jedes Kind seine Bibel im Kirchlichen Unterricht hat. Ein guter Brauch ist das Lesen des Kalenders und der Sonntagszeitung „Unsere Kirche“. Aber als Einzelne brauchen wir die Gemeinschaft zum Hören. Es ist gut, dass es Fernseh- und Rundfunkgottesdienste gibt für Ältere, denen der Weg zur Kirche zu beschwerlich wird. Aber die Gemeinschaft beim Hören des Wortes Gottes, beim Singen und Beten hier in der Kirche ist unersetzlich. „Wieso kommst du in die Kirche, du verstehst ja doch fast nichts mehr?“ fragte man einen alten Mann. „Doch“, sagte er. „Ich sehe, dass der Pastor die Arme hebt und wie alle hier, so auch mich segnet. Das brauche ich.“ Der alte Mann hatte begriffen: Das Wort von der Liebe Gottes kann ich nicht allein hören. Ein Mitmensch muss es mir im Auftrag Gottes zusprechen. Als Mahnung und Trost zugleich begegnet uns das Wort von der Liebe Gottes in jeder Lage unseres Lebens. Es ist nicht ein x-beliebiges Wort. Sekten und Philosophien gibt es ja wie Sand am Meer. Aber nur Gott hat seine Liebe zu uns bewiesen in dem Leben und Sterben Jesu Christi. Und deshalb hat das Wort seiner Boten, der Apostel und ihrer Nachfolger Autorität. Wir sollen „Gott mehr gehorchen als den Menschen“. (Apg. 5, 29)

Das zweite Kennzeichen ist die Diakonie. εἶχον ἅπαντα κοινὰ. Sie hatten alle Dinge gemeinsam“. „τὰ κτήματα καὶ τὰς ὑπάρξεις ἐπίπρασκον καὶ διεμέριζον αὐτὰ πᾶσιν καθότι ἄν τις χρείαν εἶχεν· Sie verkauften Güter und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte“, sagt Lukas.

Ja, darf das denn heute noch gelesen werden? Am liebsten würden viele Leute doch diese Worte verbieten oder total umdeuten. Tatsächlich, wir haben richtig gehört. Eine Art Kommunismus entsteht da vor unserem Auge als Leitbild. Menschen leben in wirtschaftlicher Gemeinschaft.  Was sie verdienen, was sie erwerben, kommt allen zugute. Freilich kein Zwangssystem, wie es in Osteuropa gescheitert ist. Sondern ein Liebes-Kommunismus. Er versteht das Eigentum des Menschen nicht privat, sondern bezogen auf die Gemeinschaft, wie das lateinische  Wort communitas sagt. Privat kommt dagegen von lateinisch privatio, d. h. Beraubung. Menschen gebrauchen oft ihren Besitz so, dass sein Nutzen den Hilfsbedürftigen vorenthalten wird. Mit Mauern und Sicherheitsanlagen grenzen sie ihn ab und wecken so gerade wieder Begehrlichkeit der Ausgeschlossenen.

Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR waren Ende des Jahres 2018  70,8 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. 25,9 Millionen dieser Menschen sind Flüchtlinge, die vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat flohen. Darunter fallen 20,4 Millionen Flüchtlinge unter das Mandat von UNHCR. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge weltweit sind Kinder unter 18 Jahren. 41,3 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene, Menschen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. 3,5 Millionen Menschen unter den 70,8 Millionen sind Asylsuchende. Seit langem sterben vor Europas Grenzen jedes Jahr Hunderte Menschen. 18.892 tote Flüchtlinge im Mittelmeer von Januar 2014 bis Oktober 2019. Die Rechte der geflüchteten Menschen spielen in der Debatte immer weniger eine Rolle. Sie drohen mehr und mehr der Gleichgültigkeit anheim zu fallen – dabei entspricht es dem Selbstverständnis und der Pflicht der Staatengemeinschaft Europas, das Recht auf Leben eines jeden Menschen zu schützen. Dazu gehört auch die Seenotrettung.

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Erregte das alltägliche Sterben von Männern, Frauen und Kindern vor unserer Haustür in den Jahren bis 2015 noch Entsetzen und Fassungslosigkeit, schaut die europäische Öffentlichkeit heute kaum noch hin. Stattdessen überbieten sich deutsche und europäische Politiker mit Vorschlägen, wie man die Tore Europas vor ungebetenen Schutzsuchenden endgültig verschließen könnte.

(Anmerkung der Redaktion: Der BRSD unterstützt das Rettungsschiff der Kirchen: united4rescue )

Die meisten von ihnen flohen vor Krieg, Verfolgung und Elend. Ein Großteil von ihnen hätte, einmal in Europa angekommen, gute Chancen gehabt, im Asylverfahren einen Schutzstatus zu erhalten. Aber die EU versucht, ihre Grenzen hermetisch abzuriegeln. An einigen Grenz-Abschnitten haben die Nationalstaaten meterhohe Stacheldrahtzäune errichtet, an anderen Abschnitten kommt die EU-Grenzschutzagentur Frontex zum Einsatz. Mittlerweile sollen auch Militäreinsätze dafür sorgen, dass Flüchtlinge es nicht in die EU schaffen.

Da ernennen sich Menschen zu Verteidigern des christlichen Abendlandes, um (islamisch)e Flüchtlinge abzuwehren, dabei verraten ihre Reden, dass sie ihre Bibel, die Urkunde des christlichen Glaubens, gar nicht kennen.

Denn die Bibel ist doch ganz eindeutig, wie es z. B. im 5. Buch Mose (10, 17-18) heißt: Denn der HERR, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt 18 und schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. 19 Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; … In demselben Buch (27, 19) heißt es: „Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, der Waise und der Witwe beugt!“ Und der Prophet Jeremia sagt (7, 5-6): „Bessert euer Leben und euer Tun, dass ihr recht handelt, einer gegen den anderen, und dass ihr keine Gewalt übt gegen die Fremdlinge, Waisen und Witwen.“ Und Christus sagt (Mt. 25, 15) „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.“

In den Armen und Elenden begegnen wir Gott selbst, sagt die Bibel. Und die Urkunde von der Entstehung der christlichen Gemeinde sagt also: Christ(inn)en teilen Besitz und Habe, bis keine Not mehr herrscht.

OKR Dr. Ulrich Möller sagt am 9. Mai 2016 in der Morgenandacht WDR 5: „ ‚Komm, wir bring´n  die Welt zum Leuchten, egal woher du kommst, zuhause ist da, wo deine Freunde sind, hier ist die Liebe umsonst.’  So hat es der bekannte Pop-Sänger Adel Tawil zusammen mit dem Libertas – Chor aus Südafrika gesungen. Damit hat er das Gerry-Weber- Stadion in Halle in Westfalen zum Leuchten gebracht. Ein Konzert im Rahmen des Festivals „Weite wirkt“ zu dem die Evangelische Kirche von Westfalen im Jahr 2016 Tausende evangelische Christinnen und Christen aus aller Welt für ein Wochenende eingeladen hatte, zu Diskussionen, Konzerten, Begegnungen. Mit dabei: über tausend Engagierte aus der Flüchtlingshilfe – stellvertretend für die vielen Tausend, die sich um Geflüchtete bei uns in Deutschland gekümmert haben. Und die ihnen gezeigt haben: ‚egal woher du kommst – zuhause ist da, wo deine Freunde sind.’  Auch mehr als 500 Geflüchtete waren im Stadion und bekamen einen Vorgeschmack davon, was das heißen könnte: ‚Hier sind wir willkommen.’ Der Not, dem Tod entronnen, öffnet sich für uns ein Weg ins Weite. Eine Weite, die mein neues Zuhause werden kann, weil Menschen mir freundlich begegnen und Liebe entgegenbringen: Hier ist die Liebe umsonst. … Beim ‚Weite wirkt Festival’ in Halle bin ich Menschen begegnet, die auf ihre Weise zeigen: Gott bringt auch heute die Welt zum Leuchten. Er befreit Verfolgte, vor Krieg Geflohene und Hungernde aus tödlicher Enge und führt sie hinaus ins Weite. Dazu braucht er Menschen. … Bischof Zephanja Kameeta aus Namibia zum Beispiel. Er sah das Elend in seinem Land. Im namibischen Dorf Otjiverro zum Beispiel. Die Menschen dort waren arm. Jeder Tag war ein Kampf ums bloße Überleben. Die Kinder hatten keine Zukunft. Und dann führte Bischof Kameeta das ‚Bedingungslose Grundeinkommen’ ein. Das sind bis zu 8 Euro pro Person im Monat. Die Bevölkerung schöpfte Hoffnung. Frauen wurden aktiv für sich und ihre Kinder. Wie Frieda Nembwaga, Mutter von neun Kindern. Zunächst baute sie sich einen kleinen Ofen aus gebranntem Ton im Freien, der bald nicht mehr ausreichte. Dann erwirtschaftete sie sich einen Holzofen, inzwischen ist auch ihr Gasofen erneut zu klein geworden. ‚Ich kann gar nicht so viel Brot backen, wie meine Kunden kaufen wollen’, sagt sie. Der Lebensunterhalt für ihre Familie ist gesichert, auch das Schulgeld für ihre Kinder. Das bedingungslose Grundeinkommen hat dieses Dorf zum Leuchten gebracht. Abgeschriebene Menschen erlebten: Gott hat Gefallen an mir – das richtet mich auf, gibt mir meine Würde zurück, stärkt mir den Rücken und führt mich aus der Enge in die Weite. Christlicher Glaube schenkt die Kraft, sich nicht damit abzufinden, wenn Menschen abgeschrieben und ausgegrenzt werden. Gott führt hinaus ins Weite. Christliche Hoffnung hat langen Atem.“

 

Um Besitz und Land werden Kriege geführt. Das ist so in der Welt. Aber immer  wieder brachen Gruppen aus dieser Weltordnung aus. Lebten in Gütergemeinschaft  nach diesen Grundsätzen: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ (Karl Marx) Durch die Kirchengeschichte zieht sich ein dünner Strom von sozialen und revolutionären Ideen, oft im Widerspruch zur offiziellen Kirche: Waldenser, Franziskaner-Mönche, Wyclifs Anhänger, Hussiten, Hutterische Brüder, Frühsozialisten, religiöse Sozialisten, Bruderhof-Bewegung. Der Rest dieser Traditionen lebt bei uns verteilt,  z. B. in der Idee der Genossenschaften. Der Betrieb gehört den Mitarbeitenden gemeinsam. Gemeinsam planen und arbeiten sie. Viele arme Bauern  und Handwerker haben so ihr Brot verdienen können, wurden vor Ausbeutung geschützt.

Wenn unsere Katechumenen in der Kirchengemeinde Laar, Herford, anfingen, lernen sie zuerst: Dieser Grund und Boden: Platz und Wiese, diese Gebäude: Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus gehören uns gemeinsam, die Pfarrfamilie mietet das Haus eine Zeitlang, und alle tragen dazu bei, dass Gebäude und Grundstück gepflegt sind und zum Vorteil aller genutzt werden können. Mitglieder zahlen Kirchensteuern je nach ihrem Einkommen, oder sie haben die Möglichkeit zu spenden.

Pressemeldung vom 14.07.2016 - Monitor Extra - Monitor ...

Bild: www1.wdr.de

In unserem Land wird zurzeit der Gegensatz zwischen Reich und Arm immer größer. Nach Daten des Statistischen Bundesamts verfügen die obersten zehn Prozent der Haushalte über 51, 9 Prozent des Netto-Vermögens – die untere Hälfte nur über ein Prozent. Im EU-Durchschnitt waren 16,9 % der Bevölkerung von Armut bedroht sowie 6,9 % von erheblicher materieller Entbehrung betroffen. In Deutschland waren im Jahr 2017 rund 15,5 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht und damit 19,0 % der Bevölkerung. Im Jahr 2016 waren es mit 16,0 Millionen Menschen noch 19,7 % der Bevölkerung gewesen. In der EU 22,5 % (So das Statistische Bundesamt)

30 Jahre nach Mauerfall ist Deutschland ein regional und sozial tief zerklüftetes Land, so der Befund. Die Kluft zwischen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der anderen Seite wächst stetig und deutlich, und der Graben verläuft längst nicht mehr nur zwischen Ost und West“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Bei genauerer Betrachtung zeige sich Deutschland bei der Armut inzwischen viergeteilt. Dem wohlhabenden Süden (Bayern und Baden-Württemberg mit einer Armutsquote von zusammen 11,8 Prozent), stehen NRW mit einer Armutsquote von 18,1 Prozent und der Osten (17,5 %) gegenüber. Dazwischen liegen die weiteren Regionen Westdeutschlands mit einer Armutsquote von zusammen bei 15,9 Prozent. „Der Armutsbericht zeigt, dass auch der Westen Deutschlands tief gespalten und weit entfernt ist von Einheitlichkeit oder gleichwertigen Lebensbedingungen“, so Schneider.

Während der Corona-Situation kann die Gesellschaft die Hilfen eines Sozialstaates neu entdecken. Auch die, welche bisher an die  selbstheilenden Kräfte des Marktes glaubten, rufen jetzt nach der Hilfe des Staates.  Der Kampf gegen das Coronavirus eint die Gesellschaft. Kurzfristig. Doch schon bald drohen neue Gräben. In dieser Krise arbeiten Banker, Beamte, Softwareingenieure  und andere Berufsgruppen weiter – notfalls halt in ihren komfortablen Stuben. Anders der Kleingewerbler, die selbständige Grafikerin oder der Restaurateur und andere Berufsgruppen: Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen werden wirtschaftlich zurückgeworfen oder müssen sogar um ihre Existenz fürchten. Daran können staatliche Rettungspakete nicht in jedem Fall etwas ändern. Es ist also darauf zu achten, dass nicht die Gruppen vergessen werden, die Hilfe am nötigsten brauchen. Sie brauchen die diakonisch orientierte Gemeinde als Anwalt, die für die Schwächsten eintritt und eine gerechte Verteilung der Hilfsmaßnahmen fordert.

Lukas gibt uns ein Leit-Bild. Wenn die Gemeinde miteinander teilt, braucht es keine Not zu geben.

Das dritte Kennzeichen von Kirche ist die Gemeinschaft. Immer wieder brauchen wir das tröstende und aufmunternde Wort der anderen, die uns als Bruder und Schwester in Christus verbunden sind. Wenn wir selbst nicht beten können, dürfen wir in die schönen alten Gebete schlüpfen wie in einen Mantel, der warm einhüllt. Der Altar hat die Form des Tisches. Beim Abendmahl sind wir Gäste am Tisch des Herrn. Handgreiflich lässt er uns seine Güte austeilen und schmecken. Auch das Essen zum Sattwerden gehört ursprünglich dazu. – Und so ist jedes gemeinsame Essen wie z. B. beim Missionsfest oder Gemeindefest ein besonderes Essen. Für alle Tage erinnert es daran: Was selbstverständlich scheint: Essen und Trinken sind doch Gaben des Schöpfers. Alle gemeinsame Fröhlichkeit bei Festen der Gemeinde kann Gemeinschaft stärken.

Gegenwärtig erlebt die Gemeinde den Zwiespalt der Gefühle seit Monaten:  Wie schön doch diese Welt ist!  Der Himmel ist blau ohne die vielen Flugzeuge, die sonst einen Dunst davor legen und nicht ohne Folgen für das Klima sind. Das Meer wird sauberer ohne den Schweröl-Qualm der Kreuzfahrtschiffe, die im Hafen liegen. Bisher verschmutze Flüsse erholen sich zunehmend, Die Natur lockt zu Ausflügen. Die Gesellschaft, muss umdenken: Geld ist plötzlich weniger wichtig, wenn  es um die Gesundheit geht. Die Menschen sollen mit Masken Mund und Nase schützen, wo sie sich zu nahe kommen.  Das Virus ist also einerseits gefährlich, und doch müssen wir andererseits irgendwie ja auch ein normales Leben führen. Da gibt es zum einen viel Solidarität, gemeinsames Überlegen und Rücksicht auf Ältere, Kranke, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, und zugleich doch auch manche Ungeduldige, die das Virus verharmlosen und keine Einschränkungen respektieren wollen. Die Gemeindeglieder entdecken Gemeinschaft neu: Manche übernehmen Einkäufe für Ältere. Andere geben Konzerte vor Altenheimen. Seelsorge wird möglich durch Telefon und Besuche auf Abstand usw. Die Konfirmand(inn)en, deren Feier ausgefallen ist, brauchen Begleitung und neue Angebote. Nachdem die Gottesdienste und Kirchenkonzerte einige Zeit nicht stattfanden, sind sie jetzt auf Abstand der Teilnehmenden  mit Hilfe der Predigenden und Musikanten wieder möglich oder werden durch Filme im Internet anschaubar und hörbar.

Die Gemeinde ist so lebendig wie wir, ihre Glieder. Sie soll brüderliche und schwesterliche Gemeinschaft leben.

Verkündigung, Diakonie und Gemeinschaft sind Kennzeichen der christlichen Gemeinde. Der Heilige Geist erhalte uns bei der Gemeinde, dem Angebot Gottes zum Leben! Unser Herr Christus will unsern Weg mitgehen. Amen

 

Fundort des Titel-Bildes: https://www.dw.com/de/pfingsten-und-der-heilige-geist/a-19246355