Abschied von Erhard Griese (*6. Januar 1936 in Kassel, + 30. Juli 2020 in Willich)

Der Bund der Religiösen Sozialist*innen Deutschlands BRSD trauert um Erhard Griese

Dr. Erhard Griese, Pfarrer im Ruhestand, war Vorstandsmitglied beim Bund der Religiösen Sozialist(inn)en Deutschlands e.V. (BRSD), von 1987 – 89 Bundessprecher und verantwortlicher Redakteur der Bundes-Zeitschrift Christ*in und Sozialist*in.  Wir waren dankbar für seine Gottesdienste, Andachten, Artikel und Initiativen. Auf Kirchentagen haben wir uns im Stand des BRSD getroffen. 1988-1992 hat er unsere Zeitschrift gestaltet und die Botschaft des BRSD für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft und Frieden zwischen den Völkern getragen. Mit großem Mut hat er vor vielen Menschen Reden gehalten und für den Schutz von Flüchtlingen und für die Unterstützung arbeitsloser Menschen und Hilfe für die Armen geworben. Den grünen Faden in der Bibel – den Auftrag an die Menschen für die Bewahrung der Schöpfung –  hat er entdeckt und sichtbar gemacht. „Gott ist die Kraft, die uns zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit zur Liebe befähigt“, hat er Schülern an die Tafel geschrieben. Denn es geht „nicht um ein Fürwahrhalten“, ob es „jemanden namens Gott gibt, sondern um ein untereinander vermittelbares Zutrauen darauf, dass ich mich von einer solchen Kraft bestimmen lasse.“ (CuS 3-4/90)

Für die Zeitschrift CuS. Christ(in) und Sozialist(in), Blätter des Bundes der Religiösen Sozialist(inn)en Deutschlands e.V., die er 1988-1992 gestaltete, wählte er u.a. diese Themen- Schwerpunkte:

Recht auf Arbeit, Religiöse Sozialisten in der Weimarer Zeit (1/88), Flüchtlinge, Hunger (2/88), Südafrika, Frühe Sozialisten (3/88), Karl Marx und wir ((4/88), Befreiung der Unterdrückten (1/89), Gerechtigkeit (2/89), Die Liebe kämpft nicht nur gegen die Not, sondern (auch) für die Freiheit (3/89), „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (4/89), Europa (1/90), Katholisch (2/90), Rechenschaft (3/90), Wie geht’s weiter? (1/91), Zu was für einem Leben befreit Gottes Geist? (2/91), Warum Religion? (3/91), Was geht’s uns an ((4/91), 500 Jahre „Entdeckung“ Amerikas (1/92), Das unaufgebbare Humanum ((2/92), Kirche –Marktwirtschaft- Europa (3-4/92)

Zum Leitwort des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Stuttgart 1999 „Ihr seid das Salz der Erde“ schrieb er in seiner Andacht (CuS 1/2_1999): „Die Kirche hat das Erbe Israels auf sich genommen. Oder sollen wir sagen: beansprucht? Haben sich das die Christen wirklich überlegt? Spüren wir, welche Verantwortung und welche Pflichten damit auf uns zukommen? Nicht dass die Welt heute so weltlich ist, ist das Problem, vor dem wir stehen, sondern dass die, die sich Christen nennen, auf die Nachfolge Jesu verzichten – und aus der Botschaft und der Gemeinde Jesu etwas machen, das eher Sahnetorte, Süßholz oder Sirup für die Welt statt das Salz der Erde ist.“

Noch zu entdecken sind seine Bücher: Das Senfkorn wächst von unten, Fromm-Verlag; Einkehr. Liturgische Meditationen über Texte und Themen zur abendlichen und nächtlichen Zeit sowie zum Fest der Verklärung Christi (Metamorphosis), Fromm- Verlag

Sein großes Anliegen: Es ist unbedingt notwendig, zu einer Spiritualität zurückzukehren, die auf den großen Segen der Schöpfung ausgerichtet ist.

Die Schöpfung als den „großen Segen“ (Matthew Fox) wieder zu entdecken und den Bezug zu ihr als von dem Vertrauen auf „Gott“ unablösbar zu erleben, muss Aufgabe der Christen in einer säkularen Gesellschaft sein.

„Presente“ = „Gegenwärtig“, sagt die Gemeinde in den befreiungstheologisch geprägten Basisgemeinden, wenn sie die Namen ihrer verehrten Toten hört. Wir behalten Erhard in unserer Erinnerung und wünschen seiner Familie viel Trost aus Gottes Wort und die Begleitung lieber Menschen. „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ (Offb. 14,13)

Dr. Reinhard Gaede, Ehrenvorsitzender des BRSD