Stuttgarter Schuldbekenntnis der evangelischen Kirchen – aus heutiger Sicht völlig ungenügend

In diesen Tagen jährt sich zum 75. Mal das Bekenntnis der Evangelischen Kirche zu ihrer Mitschuld am Nationalsozialismus. Am 19. Oktober 1945, ein knappes halbes Jahr nach der Kapitulation des dt. Nazi-Regimes, bekannten hochrangige ev. Theologen eine Mitschuld an den Nazi-Verbrechen. Die EKD-Ratsmitglieder Hans Christian Asmussen, Otto Dibelius und Martin Niemöller verfassten diese Erklärung gemeinsam und verlasen diese auf einer EKD-Ratstagung in Stuttgart. Hintergrund war einerseits das Erleben des Versagens der Ev. Kirche in der Nazidiktatur, andererseits ein Besuch von Mitgliedern des Weltweiten Ökumenischen Rates. Dieser Besuch sollte genutzt werden, um die EKD in den Ökumenischen Rat aufzunehmen und der notleidenden dt. Bevölkerung Hilfslieferungen auch der weltweiten Kirchen zu ermöglichen. Dazu war ein Schuldbekenntnis Vorbedingung.

Das Stuttgarter Schuldbekenntis wurde von der ev. Öffentlichkeit und von Teilen der Politik zwar mit Empörung aufgenommen und weitgehend als „Kniefall“ abgelehnt.

Eigentlich aber wurde- aus heutiger Sicht- die Schuld an den Naziverbrechen eher verschleiert als bekannt. Denn die Mitwirkung der evangelischen Kirchen waren ganz konkrete Taten der Unterstützung, bspw. an den Verbrechen gegen Menschen mit (geistigen) Behinderungen, am Segnen der Waffen durch die Militärseelsorge, am Antisemitismus als ideologischer Grundlage für den Holocaust. Diese konkrete Schuld der Ev. Kirche wird nicht benannt.

Wir empfehlen dazu den Text von Karsten Krampitz in der sozialistischen Tageszeitung nd – Die Woche vom 17./18. Oktober 2020 zu lesen: Nicht treuer gebetet?

Hier noch ein Hinweis auf einen Beitrag zum Thema im NDR Blickpunkt Diesseits – bitte bis zur Sendeminute 12:16 vorscrollen: Das Stuttgarter Schuldbekenntnis