200. Geburtstag von Friedrich Engels

Zum zweihundertsten Geburtstag von Friedrich Engels.

Wir feiern, auch als Religiöse Sozialist*innen, am 28.11. den 200sten Geburtstag von Friedrich Engels (geb. am 28.11.1820 in Barmen/Wuppertal).

Er war zusammen mit Karl Marx einer der Mitbegründer moderner politisch-ökonomischer Kritik kapitalistischer Gewalt- und Ausbeutungsverhältnisse. Auch heute noch großartig zu lesen ist seine ethnografische, empirisch- soziologische Schrift über „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ von 1845 mit ihrer dichten Beschreibung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse  in den frühindustriellen Betrieben der Bekleidungs- Manufakturen und der brutalen Ausbeutungsverhältnisse gegen die dort abhängig beschäftigten Arbeiter*innen.

Mehr dazu: Von einem, der auszog, die Welt zu verändern – Friedrich Engels in Manchester

Engels hat schon als Neunzehnjähriger den evangelischen radikalen Pietismus in Barmen kritisiert – in journalistischen Artikeln demonstrierte er gegen den „Zusammenhang zwischen der pietistischen Lebenseinstellung und dem sozialen Elend“. Religionskritik beschäftigte ihn sein Leben lang. Aus der Diskussion mit Engels formulierte Marx sein berühmtes Diktum: „“Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ (MEW 1,378).

Engels Religionskritik zeigt einen (möglichen) Ursprung religiösen Denkens in der Ohnmacht der Menschen gegenüber der Natur und den Naturgewalten. Er sieht religiöses Denken als Reflex auf prekäre und bedrohte Lebensverhältnisse der Menschen, aus diesen entsteht ein ideologischer Vernebelungszusammenhang, der die brutalen gesellschaftlichen Verhältnisse vor einer Analyse derselben schützt. Dieser Nebel muss erst durch eine historisch-materialistische, politisch-ökonomische Analyse durchdrungen werden.

Engels setzt aber auch selbst quasi-religiöse Voraussetzungen für seine Dialektik: Er meint, dass Materie ewig ist und ewig bewegt.

Vieles an seiner Religionskritik können wir Religiösen Sozialist*innen teilen.

Aber was ist, wenn wir die Bibel von einem Klassenstandpunkt aus lesen? So wie es die Bauern von Solentiname in Nicaragua getan haben? So wie es die Befreiungstheologien tun! Was, wenn wir die Bibel als „Geschichte Gottes mit ihren/seinen Menschen“ lesen und sie als „Große Erzählung der Befreiung“ verstehen – in der Gottes Versprechen auf ein menschenwürdiges Leben gilt. Dann kann Religion ein großer „Wärmestrom“ (Bloch), ein Antrieb für kritisches gemeinsames Handeln der Ausgebeuteten für ein besseres und ausbeutungsfreies Leben werden.

Mehr: Happy birthday, Friedrich Engels!