Auferstehungshoffnung für uns – eine Andacht zu Ostern

von Dr. theol. Tobias Foß, Halle a.d.S.                                                           (Hier findest du eine weitere Ostermeditation)

Die Welt ist in Dunkel gehüllt. Immer schneller, immer weiter. Wachstum und Profit lenken die Schöpfung. Ausbeutung und globale postkoloniale Abhängigkeiten, kapitalistisches Schalten und Walten. Die Armen werden ärmer und die Reichen immer reicher. Und alle schreien noch mitten in der Corona-Pandemie: Zurück zum alten Leben! Zur Rückkehr zur alten Lebensweise, die doch diese Krise hervorgerufen hat. Hoffnung ist wohl nicht in Sicht.

 

Vielleicht scheinen hier Momente auf, wie sich die Jünger, Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, gefühlt haben. Die Hoffnung, auf die sie alles gesetzt haben, ist am Kreuz gestorben. Ende, Aus, Vorbei. Nur die Flucht bleibt eigentlich noch.

 

Und mitten in dieser Dunkelheit, ist das Grab geöffnet.

Kein Toter ist da.

Das, was in Menschenaugen unmöglich ist, ist geschehen:

Ein Toter lebt.

Auferstehung. Neues Leben!

Ein Kontra-Narrativ zum neoliberalen Fetischismus ist tatsächlich möglich.

 

Gott setzt eine Befreiung in Gang.

Verstrickungen in kaum aushaltbaren Arbeitsverhältnissen,

Zerwürfnisse in Familien und Freundschaften,

Schreie von bedrohten Existenzen in der Corona-Pandemie,

unsere kapitalistischen Anmaßungen, die unsere Umwelt und unser Zusammenleben zerstörerisch bedrohen – all das soll nicht das letzte Wort sein.

 

Das Dunkel ist überwunden. Das ist das Versprechen, wofür Gott in Jesus Christus bürgt und was sich in Jesus Christus ereignet hat.

Dieses Versprechen sendet Lichtstrahlen auf alle (Miss-)Verhältnisse unseres Lebens.

 

Karl Marx hat einmal gesagt, dass sich menschliches Handeln daran zu orientieren hat, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes und verächtliches Wesen ist“ (Karl Marx/ Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 1. Berlin/DDR. 1976. S. 385.) – in Ostern haben wir die Gewissheit und die Hoffnung, dass ein solcher Einsatz nicht ins Leere läuft.

Das Licht, dass sich vor bald 2000 Jahren ereignet hat, strahlt bis heute, und will uns befreien:

zu einem tiefen, selbstbewussten Leben,

zu einer Solidarität, die sich gegenseitig trägt,

zu einem Umgang mit Wirtschaft und Natur, die nicht-ausbeuterisch, sondern nachhaltig ist und ein Weiterleben ermöglicht.

Gott hat den Tod überwunden. Eine neue Lebensweise ist möglich. Ein anderes Narrativ ist möglich.

Halleluja: Der Herr ist auferstanden!