Aufruf für ein Forum Soziale Ökonomie – FSÖ – Religiöse Arbeitsgemeinschaft im BRSD

Selbstverständnis – Aufgaben – Ziele – Arbeitsweise

Präambel: Ökonomie und Marktwirtschaft sind zentrale Existenz- und Ideologiebereiche in unserer Gesellschaft und verdienen daher besondere kritische Aufmerksamkeit. Das Forum Soziale Ökonomie, kurz:  FSÖ, ist eine offene soziale Plattform und AG für an Information, Austausch und Kooperation zu sozialpolitischen, sozial- und wirtschaftsethischen und ökonomischen Themen Interessierte im Kontext eines religiös-christlichen Sozialismus. Es wird als Initiative gestartet und unterstützt aus dem Bund Religiöser Sozialist_innen in Deutschland (BRSD). Das FSÖ versteht sich als theo-ökonomische Konkretion im Sinne der BRSD-Leitsätze, an der sich jedermensch beteiligen kann. Die aktive Mitarbeit einzelner Personen (oder Gruppen) ist ausdrücklich erwünscht. Es sollen sich möglichst lokale/regionale Zusammenhänge bilden, die sich eigenständig koordinieren.

Aufgaben:Sammlung und Aufarbeitung von Positionen und Konzepten zu einer sozialethischen und sozialistischen Wirtschaftsweise. Dazu zählen die Studien und Arbeiten von religiös-sozialisti-schen/religiös-sozialen Theoretiker_innen und Theolog_innen zum Komplex <Ökonomie> (Tillich, Heimann, Buber, Rich, Hinkelammert, Gollwitzer, Wolfgang Kessler, Ulrich Duchrow, Franz Segbers) genauso wie die Beiträge von Hans Küng (Projekt Weltethos), der Katholischen Soziallehre/So-zialethik (Hengsbach), der Befreiungstheologie (Boff), des Interreligiösen Dialogs (Küng u. a.) und feministischer Theologinnen (Veit, Sölle, Halkes);

Diskussion dieser Konzepte in Gesprächen, Korrespondenzen und darstellenden Texten (bisher sind drei Texte erschienen – diese werden demnächst auf dieser Website eingestellt oder sind direkt bei E.Klink zu erhalten- u. a. zur Lage der Sozialdemokratie und zu Triebkräften der globalen Krise);

  • Verständigung über Begriff und Realität von <Arbeit, Lohnarbeit, Kapital>;
  • Verschaffen eines Überblicks über Wirtschaftsvorstellungen in nicht-christlichen Religionen;
  • Profil erarbeiten  für eine aktuelle religiös-sozialistische Grundposition zum Thema;
  • Anlegen einer fortlaufend ergänzten Literaturliste/Bibliographie („Archiv“, siehe Liste am Ende);

Ziele: Das FSÖ sieht sich vor einen riesigen Fundus an eigener Theorie (Theologie) zum Thema gestellt, jedoch meist älteren Datums. Zuletzt wurde das Ökonomie-Thema im BRSD systematischer bearbeitet im Oktober 1978 auf der Tagung in der Europäischen Akademie Haus Lerbach, Bergisch-Gladbach, dokumentiert in: „Religiöser Sozialismus und Wirtschaftsordnung“ (1980) und als Schwerpunkt „Solidarische Ökonomie“ bei der Jahrestagung 2013 in der Akademie Arnoldshain (teildokumentiert in: CuS-Heft 4/2013). Schon da wurde wieder deutlich, dass der religiös-sozialistische Bezug zur Ökonomie in einem pluralen Sinn ein sehr weit gesteckter und verzweigter ist, der sich so einfach kaum auf einen gemeinsamen Nenner bringen lässt. Die Vorstellungen reichen von alternativökonomischen, basisgemeindlichen, gemeinwohlorientierten, genossenschaftlichen, syndikalistisch-libertären bis hin zu öko-sozialistischen Konzepten, die noch immer mit Marx im Hintergrund, aber nicht nur, arbeiten. Sie sollten sich aber alle mit den für religiöse Sozialist_innen wichtigen sozialhistorischen und sozial- und wirtschaftsethischen Implikationen einer biblisch-theologischen Verortung verbinden lassen, was der zu berück-sichtigende gemeinsame Maßstab wäre.  Ein entfernter angestrebtes Ziel wären sozialpolitische Interventionen gegenüber Parteien, Verbänden, Einrichtungen der kirchlichen Wohlfahrt (Diakonie, Caritas), Fachgruppen, um verdrängte oder vergessene soziale Erfordernisse und ethische Essentials wieder mehr ins Blickfeld und Bewusstsein zu rücken sowie soziale Forderungskataloge zu entwickeln, präsentieren und vermitteln.

Arbeitsweise: Das FSÖ will möglichst von Zeit zu Zeit Zwischenergebnisse seiner Arbeit und Diskussionen BRSD-intern vorstellen, das könnte über kurze Info-Blöcke im BRSD-Newsletter des Sekretariats geschehen und/oder auch eigene Mail-Rundbriefe. Das FSÖ trifft sich mindestens einmal jährlich im Rahmen der BRSD-Jahresversammlung (nach Ende der Corona-Pandemie) und nach vereinbartem Bedarf. Fragen der Koordinierung/Vertretung werden intern abgesprochen. Es sollen möglichst auch Kurzbeiträge zu wichtigen Personen und Stichworten des Themenspektrums auf der BRSD-Homepage erscheinen. Ein zentrales Anliegen ist das Brückenschlagen, die Kontaktaufnahme und der Austausch mit anderen Personen, Initiativen und Gruppierungen, die sich im Bereich des Themenspektrums bewegen und betätigen (Publik-Forum-Leser_innenkreise, christliche Arbeitskreise in Parteien wie CA der CDU, SPD, Grüne und Die Linke, Befreiungstheologisches Netzwerk, Junge.Kirche, CfS, IKvu, Pax Christi, ITPOL u. a.). Auch das Dreiländer-Treffen in Rorschach (CH) am Bodensee am 27./28. Juni 2021 (3. „Bodenseekonf.“) zum Thema „Zur sozialen Frage in drei Religionen“ ist ein wichtiges Datum als Zutrag zum Auftakt für ein FSÖ. Bremen im Juni 2021.

Hast du Interesse am FSÖ mitzuwirken? Dann wende dich bitte an:

Kontakt: c/o Elmar Klink, Thielenstr. 13/15, D-28215 Bremen, mobil: 0157 36 21 48 19 (alte Festnetz-Nr. gilt nicht mehr), Email: Elmar.Klink(at)gmx.de

Elmar Klink ist Mitglied im BRSD, er arbeitete im Redaktions-Beirat von Christ_in und Sozialist_in/CuS mit und war einer ihrer Autoren.

 

Basale Literatur zum Thema (Die mit * markierten Titel seien besonders empfohlen):

– Siegfried Katterle/Arthur Rich (Hg.): Religiöser Sozialismus und Wirtschaftsordnung*;

– Arthur Rich: Wirtschaftsethik I/II*;

– Solidarische Ökonomie, Schwerpunkt in: Christ_in und Sozialist_in, Heft 4/2013*;:

– Religionen und soziale Gerechtigkeit. Beiträge aus christlicher und muslimischer Sicht zur sozialen Frage. Schwerpunkt in: Christ_in und Sozialist_in, Heft 1/2020*;

– Eduard Buess/Markus Mattmüller: Prophetischer Sozialismus. Blumhardt – Ragaz – Barth*;

– Wolfgang Deresch: Predigt und Agitation der religiösen Sozialisten*;

– Franz Segbers: Ökonomie, die dem Leben dient. Die Menschenrechte als Grundlage einer christlichen Wirtschaftsethik*;

– Franz Segbers/Simon Wiesgickl (Hg.): „Diese Wirtschaft tötet“(Papst Franziskus). Kirchen gemeinsam gegen Kapitalismus;

– Jacob/Moneta/Segbers (Hg.): Die Religion des Kapitalismus. Die gesellschaftlichen Auswirkungen des totalen Marktes*;

– U. Duchrow und F. Segbers (Hg.): Frieden mit dem Kapital? Beiträge zur Kritik der Unternehme-rdenkschrift der EKD*;

– Ulrich Duchrow: Weltwirtschaft heute – Ein Feld für Bekennende Kirche?;

– Friedhelm Hengsbach: Das Reformspektakel. Warum der menschliche Faktor mehr Respekt verdient*;

– ders.: Das Kreuz mit der Arbeit. Politische Predigten;

– Tübinger Theolog. Fachschaftsinitiativen (Hg.): Bibel und Befreiung. Beiträge zu einer nichtidealistischen Bibellektüre*,

– Frank Crüsemann: Die Tora. Theologie und Sozialgeschichte des alttestamentlichen Gesetzes*

L. Schottroff u. a.: Das Imperium kehrt zurück. Das Imperium in der Bibel und als Herausforderung für die Ökumene heute;

– Ton Veerkamp: Die Welt anders. Politische Geschichte der Großen Erzählung*;

– ChristInnen für den Sozialismus (Hg.): Widerstand und biblische Inspiration;

– Emil Fuchs: Christliche und marxistische Ethik I/II;

– Leonhard Ragaz: Von Christus zu Marx – Von Marx zu Christus*;

– ders.: Die Gleichnisse Jesu: seine soziale Botschaft*;

– Paul Tillich: Für und wider den Sozialismus*;

– Eduard Heimann: Soziale Theorie des Kapitalismus – Theorie der Sozialpolitik (1929/1980)*;

– ders. Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Eine Einführung in die nationalökonomische Theorie (1949);

– ders.: Theologie der Geschichte. Ein Versuch (1966); ;

– Marie Veit: Theologie muss von unten kommen. Ratschlag für Linke*;

– Catharina J.M. Halkes: Das Antlitz der Erde erneuern. Mensch – Kultur – Schöpfung*;

– Helmut Gollwitzer: Die kapitalistische Revolution*;

– Hans Küng: Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft*;

– ders.: Anständig wirtschaften. Warum Ökonomie Moral braucht;

– Horst Goldstein: „Genieß das Leben alle Tage“. Eine befreiende Theologie des Wohlstands*;.

– Leonardo Boff: Von der Würde der Erde. Ökologie – Politik – Mystik*;

– Helmut Thielen: Befreiung. Perspektiven jenseits der Moderne*;

– Herbert Wehner: Christentum und demokratischer Sozialismus. Eine unbequeme Partnerschaft;

– Henryk Grossmann, Carl Grünberg: Anarchismus, Bolschewismus, Sozialismus. Aufsätze aus dem „Wörterbuch der Volkswirtschaft“* [Kap. „Christlicher und religiöser Sozialismus“, S. 94-142];

– Gruppe Krisis: Manifest gegen die Arbeit*;

– Frances F. Piven, Richard A. Cloward: Regulierung der Armut. Die Politik der öffentlichen Wohlfahrt*;

– Saral Sarkar/Bruno Kern: Ökosozialismus oder Barbarei. Eine zeitgemäße Kapitalismuskritik*;

– Bruno Kern: Das Märchen vom grünen Wachstum. Plädoyer für eine solidarische und nachhaltige Gesellschaft*;

– Christian Kellermann und Henning Meyer (Hg.): Die Gute Gesellschaft. Soziale und demokratische Politik im 21. Jhdt.;

– Heinz Dieterich: Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach dem globalen Kapitalismus*

– Ralf Krämer: Kapitalismus verstehen. Einführung in die Politische Ökonomie der Gegenwart*;

– J. Boeckh, E.-U. Huster, B. Benz: Sozialpolitik in Deutschland. Eine systematische Einführung; 2. akt. Aufl. (2006)*;

– Bernd Senf: Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise*;

– Gisela Notz: Theorien alternativen Wirtschaftens. Fenster in eine andere Welt;

– Fritz Reheis: Wo Marx Recht hat*;

– Rudolf Steiner: Die Kernpunkte der sozialen Frage;

– Silvio Gesell: „Reichtum und Armut gehören nicht in einen geordneten Staat“. Werkauswahl zum 150. Geburtstag;

– Gerhard Senft (Hg.): Land und Freiheit. Zum Diskurs über das Eigentum an Grund und Boden in der Moderne*;

– Wilhelm Korff u. a. (Hg.): Handbuch der Wirtschaftsethik, Bd. 1–4

– Frank Crüsemann u.  a. (Hg.): Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel*;

– Die Bibel in gerechter Sprache*;

– Arnold Pfeiffer (Hg.): Religiöse Sozialisten* .