
Erinnerungen der Pazifistin und Widerstandskämpferin Magda Trocmé
Gottfried Orth: Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so berührt hat und das deutlich macht, wie die Freude am Leben in den Widerstand führt – selbst in den dunkelsten Zeiten europäischer Geschichte. Die linke Friedensarbeiterin und Widerstandskämpferin Magda Trocmé, geb. Grilli di Cortona (1901-1996) zeichnete sich durch Mut und Freude an neuen Wegen aus. Sie war berufen zu einem sozialen und erzieherischen Engagement in Solidarität mit den am meisten benachteiligten Brüdern und Schwestern in der Menschheit. Nahezu ein ganzes Jahrhundert umfassen ihre Erinnerungen, geschrieben für den engen Kreis der Familie Trocmé, die Kinder und Enkel. 2017 und 2021 wurden sie in Frankreich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der erste Band Eine Jugend außerhalb der Normen vermittelt die Abenteuer eines bürgerlichen Bewusstseins, das dann am genauesten erfasst wird, wenn jemand aus ihm aussteigt. Schon in ihren jungen Jahren weigerte sich Magda Grilli di Cortona Trocmé, „ihre Religion“ kirchlichen Vorgaben zu unterwerfen, sich in engen Räumen und hinter hermetischen Grenzen zu verschanzen. Ihre Jugend verlief nicht nur ungewöhnlich und außerhalb des Alltäglichen, sondern war im eigentlichen Sinne: eine Jugend außerhalb der Norm.
Übersetzt und herausgegeben von Gottfried Orth. (Reihe: edition pace). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-6957-1521-3; Paperback; 312 Seiten; 14,99 €)

Der zweite Band Ein Leben in Widerstand und Solidarität ist dem Erwachsenenleben gewidmet: vom Einfinden in das neue Leben als Pfarrfrau an der Seite ihres Gefährten André Trocmé bis hin zum hohen Alter. Als christliche Pazifistin und Sozialistin war Magda Trocmé beteiligt am französischen Widerstand gegen Hitler und das Vichy-Regime, später aber auch am Bürgerrechtskampf in den Vereinigten Staaten sowie an der weltweiten Friedens-, Antiatomwaffen- und Versöhnungsbewegung. Sie lebte im Widerstand dort, wo Unrecht sich als Recht tarnte – in Solidarität mit Ausgegrenzten und Verfolgten. Erinnern heißt handeln, lehrt uns die jüdische Tradition.