
Prof. Dr. Dr. Wilhelm Schwendemann: Ansprache in der Andacht am Donnerstag Christi Himmelfahrt/Katholikentag am Stand
Liebe Zuhörende,
ein Geistlicher in den USA hat seine Einweihungszeremonie für eine fast fünf Meter große goldene Statue von US-Präsident Donald Trump verteidigt, für die er heftig kritisiert worden war. Er sei »verblüfft« darüber, wie schnell einige Menschen das Standbild Trumps, das auf dessen Golfplatz in Florida aufgestellt wurde, mit einem »Goldenen Kalb« oder »Götzendienst« in Zusammenhang gebracht hätten, erklärte der evangelikale Pastor Mark Burns am Freitag (8.5.2026) im Onlinedienst X.
Burns, ein Verbündeter des 79-jährigen Präsidenten, hatte am Mittwoch eine Zeremonie zur Einweihung der Statue auf dem Gelände des Golfclubs Doral geleitet.
Die Statue zeigt Trump mit erhobener Faust – seine berühmte Geste, die nach einem Attentatsversuch auf ihn im Juli 2024 auf einem Foto verewigt wurde.
»Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Dies ist kein Goldenes Kalb«, erklärte Burns. »Wir verehren den Herrn Jesus Christus und nur ihn allein« betonte er. »Ehre ist keine Anbetung. Respekt ist keine Götzenverehrung.«
Die Segnung einer goldenen Trumpstatue ist nicht nur geschmacklos, sondern zeigt auch, dass die Trump Administration keine Hemmungen hat, sich selbst religiös in Szene zu setzen, zu beweihräuchern oder Religion für politische Zwecke zu missbrauchen.
Wir erinnern uns an die unsäglichen Aussagen von Trumps Verteidigungsminister, Pete Hegseth, zum Irankrieg: Hegseth hatte vor vier Wochen im Pentagon einen Gottesdienst abgehalten und dabei aus dem blutigen Actionthriller Pulp Fiction von Quentin Tarantino einen Monolog zitiert, in dem Tarantino eine Stelle aus Ez 25, 17 verarbeitete. Die beiden kaltblütigen Auftragskiller Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) und Vincent Vega (John Travolta) ermorden einen kleinen Drogendealer in dessen Wohnung.
„Eben jenen Monolog zitierte Hegseth nun vor den Gläubigen im Verteidigungsministerium und forderte sie auf, mit ihm gemeinsam zu beten. Dann sprach er folgende Worte: „Der Weg des abgestürzten Fliegers ist von allen Seiten von den Ungerechtigkeiten der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer umgeben. Gesegnet sei der, der im Namen der Kameradschaft und der Pflicht die Verlorenen durch das Tal der Finsternis führt, denn er ist wahrhaftig der Hüter seines Bruders und der Finder verlorener Kinder. Und ich werde mit großer Rache und gewaltigem Zorn auf diejenigen herabkommen, die versuchen, meinen Bruder zu fangen und zu vernichten, und ihr werdet wissen, dass mein Rufzeichen Sandy1 ist, wenn ich meine Rache an euch vollziehe. Amen.“[1]
Das Originalbibelzitat lautet:
Ez 25, 17 Buber Rosenzweig
ich übe große Rachetaten an ihnen
mit Züchtigungen des Grimms,
dann werden sie erkennen,
daß ICH es bin,
wann meine Rache ich an sie gebe.
Ez 25, 17 gehört in den Kontext prophetischer Gerichtsworte gegen die Philister; dieses Gerichtswort ist eng verbunden mit einem Wort gegen Edom; vorausgegangen ist ein Landraub der Philister und das Gerichtswort des Propheten ist die Reaktion darauf) – einen menschlichen Gerichtshelfer gibt es in diesem Prophetenwort nicht!
NÄQÄM – das hebräische Grundwort – ist hier nicht als Rache oder Vergeltung zu übersetzen, sondern als Rechtseinforderung Gottes gegen die sehr eigenwillige Rechtsauslegung von Edom und den Philistern.
Es geht hier also um einen interaktionalen Rechtsakt Gottes – Rache wird hier also forensisch als Gottes Recht verstanden.
Das Prophetenwort mahnt zur Reflexion menschlicher Selbstgerechtigkeit: „In den Spottworten der Nachbarsvölker Israels entlarvt sich der Mensch, der im Gericht Gottes sich selber zum Richten eingeladen sieht und glaubt allem Haß des eigenen Herzens freie Bahn geben zu können.“ (Zimmerli 1979, II, S. 600).
Wieweit Hegseth oder auch der evangelikale Prediger Burns, aber auch insgesamt die amerikanische Trump-Administration von biblischer Wahrheit und vom biblischen Text entfernt ist, zeigt das verdrehte Zitat von Hegseth: Und ich werde mit großer Rache und gewaltigem Zorn auf diejenigen herabkommen, die versuchen, meinen Bruder zu fangen und zu vernichten, und ihr werdet wissen, dass mein Rufzeichen Sandy1 ist, wenn ich meine Rache an euch vollziehe. Amen“
Im biblischen Zitat haben wir es mit der Androhung einer Tat der Rechtsdurchsetzung Gottes zu tun, die mit bestimmten Bedingungen in der prophetischen Verkündigung Ezechiels zu tun und nicht mit einem Vollzug von Rache bzw. Vergeltung durch Menschen.
Der biblische Text wird von Hegseth unscharf adaptiert und so für einen politischen Zweck instrumentalisiert, den Christ: innen nicht mitgehen können – der Vernichtung eines ganzen Volkes, was ja von Trump angekündigt worden ist[2]:. Dass im Pentagon für einen Sieg des amerikanischen Angriffskrieges gebetet wird, überschreitet bereits die Grenze zur Blasphemie.
Die grundsätzliche These gegen fundamentalistische Bibelauslegung á la Trump und Hegseth lautet: Der Betende rächt sich nicht, sondern betet.
Natürlich entspricht die Segnung einer goldenen Trumpstatue in Florida der biblischen Geschichte vom Goldenen Kalb im biblischen Buch Exodus 32.
Denn beim Goldenen Kalb wird eine Gottheit der Rücksichtslosigkeit, Rechtlosigkeit und Gewalttätigkeit verehrt.
Gegen das Goldene Kalb gibt es auf der anderen Seite die Bindung Gottes an Gerechtigkeit und Solidarrecht.
Sie erzählt, wie Israel am Sinai ein Götterbild herstellt, während Mose auf dem Berg die Gebote empfängt. Die Erzählung zeigt den Bruch des Bundes zwischen Gott und Israel. Das Volk wendet sich nicht unbedingt einem völlig fremden Gott zu, sondern versucht, Gottes Gegenwart sichtbar und verfügbar zu machen.
Gerade das wird als schwerer Verstoß gegen das Bilderverbot und gegen das Vertrauen auf den unsichtbaren Gott gedeutet: Die Geschichte vom Goldenen Kalb kritisiert die religiöse Verfügbarkeit in menschlichen Machtrelationen.
Gott lässt sich nicht in ein Objekt bannen, kontrollieren oder nach menschlichem Bedürfnis formen.
Glaube bedeutet Vertrauen, auch wenn Gottes Gegenwart nicht sichtbar oder unmittelbar greifbar ist.
Die Erzählung warnt vor Ersatzgöttern und vor einer Religion, die Sicherheit und Machtdemonstration wichtiger nimmt als Vertrauen. Amen
[1] https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_101216682/trumps-minister-bibel-falsch-zitiert-heftige-kritik-an-pete-hegseth-.html, vom 17.4.2026; 8.35 Uhr
[2] „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben“ (10.4.2026; https://www.ndr.de/kultur/gesellschaft/nachgedacht-vernichtung-und-verstand,nachgedacht-trump-100.html